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Der Bärenstarke Yukon

Im Yukon erwartet Sie eine wirklich ursprünglich gebliebene Tierwelt. Auf diesem Fleckchen Erde hat sich ein natürliches Nebeneinander zwischen Mensch und Tier erhalten, das auf gegenseitigem Respekt beruht und Begegnungen zu einem tief empfundenen, alle Sinne ergreifenden Erlebnis werden lässt. Dieses Paradies des Nordens vereinnahmt in diesem unberührten Land Ihre Seele auf eine ganz wunderbare Weise. Im Yukon leben 62 Säugetierarten, 279 Vogel- und 1,150 Pflanzenarten. So kommen auf jeden Einwohner im Yukon ein Bär, 2 Elche und 10 Karibus. Die größte Karibu Herde ist übrigens die Porcupine Herde mit sage und schreibe über 160.000 Tieren.

Wo der Bär mit dem Lachs tanzt

Lassen Sie uns heute ein wenig über Bären reden. Im Yukon kommen eigentlich 4 Bärenarten vor. Drei sind uns allen bekannt, die 4. ist gerade am Entstehen. Doch eins nach dem anderen.

Der Eisbär

Der Eisbär kommt ganz im Norden des Yukon vor. Am Nordende des Ivvavik Nationalparks bzw. auf Herschel Island im Nordpolarmeer. Die wenigsten Yukon-Besucher werden die Chance haben, den Eisbären „life“ zu sehen – wobei – mir ist schon mal einer im Sommer auf dem Dempster Highway über den Weg gelaufen. Aber der hatte sich echt verlaufen und wurde von Rangern per Helikopter wieder ans nördliche Küstengebiet verfrachtet.

Der Schwarzbär

Am häufigsten werden Sie im Yukon wohl auf den Schwarzbären treffen, der in Westkanada in vier Formen rumläuft. Einmal in SCHWARZ, dann macht er seinem Namen natürlich alle Ehre. In WEISS, als „Spirit – oder Kermodebär (auch Geisterbär)– wobei ich sagen muss, dass ich den noch nie im Yukon, sondern eher im angrenzenden British Columbia angetroffen habe. Manchmal tritt der Schwarzbär aber auch in braun oder blond auf, und dann ist so ein Schwarzbär ganz leicht mit einem Grizzlybär verwechselbar. Hat der Schwarzbär eine eher rötliche Färbung, dann bezeichnet man ihn als Cinnamon Bear, also als Zimt Bär. Und last but not least eine echte Schwarzbär-Rarität, von der auch die meisten Yukon nichts wissen, der Gletscher-Blaubär. Wenn Sie jetzt denken, ich nehme Sie auf den Arm, dann googeln sie ihn einfach mal. Es ist eine Schwarzbären-Unterart, die ganz hervorragend an die glaziale des Yukon und von Alaska angepasst ist. Fast weiß in der Farbe, jedoch mit einem bläulichen und an Eis erinnernden Unterton. Wenn Sie so einen vor die Linse bekommen, ist das quasi wie zwei Sechser im Lotto.

Der Grizzly-Bär

Der Grizzly oder amerikanischer Braunbär ist der König im Yukon und steht in der Nahrungskette an oberster Stelle. Er hat ein symptomatisches Muskelpaket direkt über den Schultern, frisst alles, rund um die Uhr, wird zwischen 100 und 400 Kilogramm schwer und zwischen 180 cm – 240 cm hoch, wenn er sich auf die Hinterbeine stellt.

Der Kodiakbär

Eine Unterart des Grizzlys ist der sogenannte Kodiakbär, der in den Küstengebieten Alaskas lebt und sich hauptsächlich durch seine Größe, bedingt durch eine sehr eiweißreiche Ernährung – nämlich viel Lachs – unterscheidet. Er wird zwischen 200 und 680 Kilogramm schwer, 200 cm – 260 cm hoch und lässt Sie sicher in ehrfurchtsvolle Schockstarre fallen, wenn er sich vor Ihnen aufrichtet und sich auf die Hinterbeine stellt.

Ob Schwarzbär oder Grizzly

Beide Spezies, Grizzly- und Schwarzbären, haben natürlich auch jede Menge Gemeinsamkeiten. Lassen Sie mich gerade mal ein paar davon aufzählen:
Beide sind Allesfresser und Vielfraße. In den Monaten April bis Ende Oktober/Anfang November fressen sie eigentlich rund um die Uhr und nur von kurzen Verschnaufpausen mit Nickerchen unterbrochen. In dieser Zeit müssen sie sich all das Fett anfressen, das sie im langen Winterschlaf wieder verlieren.

Der Geruchsinn der Bären ist legendär und etwa 80-mal besser wie der von Hunden. Die Paarung erfolgt zwischen Mai und Juli – ansonsten sind Bären absolute Einzelgänger. Ist eine Bärin schwanger, erfolgt die Einnistung der befruchteten Eizelle erst im Oktober und auch nur dann, wenn die schwangere Bärin gut genährt ist, denn sie gebärt und säugt im Winterschlaf ohne jegliche Nahrungszunahme. Und das bedeutet, dass Schwarz- und Grizzlybären im Herbst täglich bis zu 30.000 Kalorien zu sich nehmen müssen.

Alle Bären sind hervorragende Schwimmer und können, je nach Bären Art, zwischen 20 und 400 km am Stück!!! Schwimmen. Beide Spezies sind sehr intelligent und neugierig. Sie sehen genau so gut wie wir Menschen, hören aber wesentlich besser. Und wenn Sie den Bären sehen, sieht er Sie auch, hat Sie aber schon lange gehört und schon viel länger gerochen, wenn der Wind mitspielt. Sie wirken oft träge, wenn man sie am Straßenrand friedlich grasen sieht, sie können aber – glauben Sie es mir ruhig – in Sekundenbruchteilen auf Supersprint umschalten und fast 15 Meter pro Sekunde zurücklegen.

Die beste Zeit, um Bären zu sehen

Die beste Zeit, Grizzly- und Schwarzbären im Yukon zu sehen, ist Mitte Mai bis Mitte Juni bzw. Ende August bis Mitte Oktober. Im Frühjahr kommen die Bären nämlich aus ihrem Bau und fangen an – ähnlich unserer Hunde und Katzen, wenn sie eine Magenverstimmung haben – Gras zu fressen. Das beruhigt die Magennerven kolossal und kurbelt nach dem langen Winterschlaf die Bären-Verdauung wieder richtig an. Und da man im Yukon meist links und rechts der Traumstraßen mit Gras bewachsene Waldbrand-Feuerschneisen angelegt hat, auf denen auch häufig der von allen Bären heiß geliebte Löwenzahn wächst, sieht man Bären im Frühjahr häufig am „Gras-und Löwenzahnsalat-Buffet“ links und rechts der Highways.

Auch im Herbst, wenn die Beeren reif sind stehen Bären in den Büschen und naschen die süßen Früchte. All die Bären, die nicht in der Nähe von Lachsflüssen zugange sind, müssen den notwendigen Kalorienschub für die Überwinterung über Beeren, Gräser und Wurzeln zu sich nehmen, außer, sie ergattern einen Elch oder ein Karibu. Erdhörnchen, die sie öfter mal kurzfristig aus dem Bau buddeln, sind da eher beliebte Power-Snacks.

Pizzly oder Grolar Bär

So, und jetzt zur 4. Bären Art, und dies ist auch kein Witz! Wahrscheinlich bedingt durch die ständige Erderwärmung teilen sich Eis- und Grizzlybären schon seit geraumer Zeit gemeinsame Habitats. Und irgendwann hat dann wohl mal eine rallige Bärin einen von der anderen Sorte rangelassen und Bumm – schwanger. Nach und nach sind dann wohl auch andere auf den Geschmack gekommen und so entstanden dort oben im nördlichsten Yukon und in Alaska Bären-Hybriden. Beim Namen streitet man sich noch. Nennt man sie Pizzlys (also von Polarbear und Grizzly) oder Grolar Bear. Und da die daraus hervorgegangenen Hybriden fortpflanzungsfähig sind, entsteht jetzt dort oben in aller Stille diese neue Bären Art. Sie sind meist weiß, wie Eisbären auch, haben aber das für Grizzlybären so typische Muskelpaket über den Schulterblättern.
Zudem gelten sie als äußerst aggressiv.

So hört sich ein Bär an

Haben Sie schon einmal einen Bären brummen gehört? Wenn nicht, dann habe ich Ihnen eine kleine Kostprobe vom ROAR eines Grizzlybären.

Lassen sie den Grizzly brummen!

 

Vorsicht bei Bärenbegegnungen

Apropos aggressiv! Was machen, wenn man in freier Natur vor einem Bären steht? Zuerst mal Ruhe bewahren. Um Himmels Willen bloß nicht wegrennen. Denn dann folgt eine Instinkthandlung beim Bären und er attackiert sofort.
Bestimmen Sie zuerst einmal die Bären Art. Ist es ein Grizzly oder ein Schwarzbär? Spötter sagen, wenn Sie das nicht feststellen können, dann klettern Sie einfach schnell auf einen Baum. Der Schwarzbär klettert Ihnen nach, der Grizzly schüttelt Sie runter. Aber Spaß bei Nebensache:

Bei Bärenbegegnungen gibt es keine 100% sichere Aussagen, weil jeder Bär anders reagieren kann und man nie genau weiß, reagiert der nun defensiv, weil kleine Bären oder eventuell auch ein gerissenes oder vergrabenes Tier in der Nähe sind oder ist der einfach nur stinkig, aggressiv und schlecht drauf. Zu empfohlenen Verhaltensweisen im Umgang mit Bären lege ich Ihnen das „Einmaleins für Bärenbegegnungen“ nahe. Diese Broschüre gibt es in jedem Visitor Centre im Yukon kostenlos und in deutscher Sprache. Sie können den Textinhalt der Broschüre natürlich schon im Vorfeld Ihres Yukon-Urlaubs von den Internetseiten des Yukon Government herunterladen.

Download EINMALEINS für Bärenbegegnungen

Wenn ich durch die fantastisch Natur des Yukon wandere oder draußen in der Wildnis übernachte, dann habe ich grundsätzlich Bärenspray griffbereit. So ein Bärenspray ist nichts anderes als ein hoch dosiertes Pfefferspray, das äußerst aggressiv auf die sensiblen Nasen und Augen der Bären wirkt und so meist einen Angriff abbrechen lässt. Aber auch hier gibt es natürlich keine 100% Garantie. Übrigens, so ein Bärenspray gilt als Waffe und ist gefährlich, wenn man sie falsch einsetzt. Aber letztendlich ist das Spray in jedem gut sortierten Laden im Yukon zu erwerben. Es kostet so um die CAD $ 45. Das Spray muss bei Abreise aus Kanada dort verbleiben.

BILD BAERENSPRAY

Wer kein Bärenspray auf seine Wanderungen mitnehmen möchte, der kann sich auch einen sogenannten Bear Banger im Yukon käuflich erwerben. Dabei wird eine Patronen auf einen Stift geschraubt und im Bedarf abgeschossen. Die Patrone explodiert zirka 50 Meter vom Abschusspunkt mit lautem Knall und Blitz. Recht gefahrlos in der Handhabung. Man muss nur darauf achten, dass die Patrone vor dem Bären explodiert, sonst treibt man ihn auf sich selbst zu.

Und dann wäre da noch das beliebte Bärenglöckchen am Rucksack. Das hilft natürlich, wenn ein Bär in der Nähe ist, es hört, und er dem Geräusch aus dem Weg geht. Sind aber kleine Bärchen in der Nähe, hat er Beute gerissen oder in der Gegend vergraben, dann hilft das Glöckchen gar nichts. Mein Motto ist: Wer durch die Wildnis zieht und nur auf das Bärenglöckchen vertraut, der muss schon Wander-Homöopath sein und jede Menge Gottvertrauen haben. Generell gilt, dass alles Fressbare weit vom Lagerplatz entfernt gelagert und geruchsicher verpackt sein muss. Und laufen Sie auch nicht voll parfümiert durch die Landschaft, Sie wissen ja, Bären riechen alles – und Moskitos ebenfalls.

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